„Etwas mehr NASA täte Unternehmen gut“

Im Welt-Interview vom 5.5.2017 erzählt Good-School-Direx Simone Ashoff, welche Anforderungen die Digitalisierung an Unternehmen stellt und warum Führungskräfte viel Energie, Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen müssen.

Aus dem Interview:

Die Welt: Welche Fehler werden von Führungskräften in puncto Digitalisierung häufig gemacht?
Simone Ashoff: Der größte Fehler ist ein zutiefst menschlicher: Menschen kleben an alten Ideen. Marketingchefs zum Beispiel hängen an Konzepten aus dem letzten Jahrhundert wie Reichweite, Zielgruppentypologien und Big Idea. Unternehmensstrategen träumen noch immer von Langfristigkeit und Nachhaltigkeit. Und Personalchefs halten an überholten Menschenbildern, Methoden und Kompetenzmodellen fest. Und so scheitert die digitale Transformation eines Unternehmens in erster Linie daran, wie unkritisch seine Anführer und Mitarbeiter mit den eigenen Denkmustern sind.

Man hört wieder von frustrierten Managern, die an ihrer Aufgabe, die Digitalisierung voranzubringen, scheitern.
Chief Digital Officers, CDOs, sind wahrscheinlich die Manager, die im Moment am dringendsten benötigt werden. Gesucht werden dafür Menschen mit jeder Menge digitaler Erfahrung und hoher Bereitschaft, täglich mit dem Kopf gegen jede mögliche Wand zu rennen. Die Jobbeschreibung beinhaltet eine unglaubliche Fallhöhe: Kremple eine komplette Firma um, ohne deren CEO zu sein. Das ist keine leicht zu besetzende Position. Ist der CDO dann gefunden, dann rein mit ihm ins Dschungelcamp: Er startet als D-Promi, den keiner kennt und keiner mag. Er teilt den Tag mit vielen ausgedienten Urgesteinen, die alles besser wissen als er. Aber hält er durch und macht er das gut, wird er der neue Dschungelkönig. Der erfolgreiche CDO ist der neue CEO.

Bringen die Führungskräfte denn mittlerweile mehr mit, um die Digitalisierung wirklich voranzubringen?
Wir stellen immer wieder fest, dass die Entwicklung der Organisationen mit ihren Menschen viel, viel langsamer ist als die technologische Entwicklung. Heißt, während sich die Welt draußen bereits mit Nanorobotern, künstlicher Intelligenz und Quantencomputern befasst, übt die Firma noch Onlinemarketing, knackt Google-Basics oder macht die ersten agilen Gehversuche. Die Diskrepanz zwischen Status und Speed und der technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung auf Makrolevel ist zu groß. Etwas mehr Nasa täte deutschen Unternehmen gut.

Wie darf ich das verstehen?
Die Nasa investiert seit Jahren in Marstrainings, um irgendwann in den 2030ern bemannt zum Mars zu fliegen. Seit Jahren wird dafür geübt: Da leben Forscher über viele Monate auf einem Vulkan oder ein Jahr isoliert in einer Raumstation auf Hawaii, die das Leben auf dem Mars simuliert. Und Legionen von Wissenschaftlern verbringen ihre Zeit damit, zu lernen, wie sie die große Aufgabe lösen können.

Wie sieht denn bei uns die Führung im Jahr 2030 aus?
Die Roboter kommen. Spätestens die werden die Disruption der Führung einleiten. Alles, was heute ein Manager kann und tun muss – von der Budgetplanung über Organisation und Controlling bis zur Prozesssicherung – wird von der Maschine erledigt. Weil sie es kann. Was sie nicht kann, bleibt für die menschliche Führungskraft über. Das sind drei Dinge. Die zwei, die man gern hört, sind Leadership und Kreativität – von der Vision über Inspiration, Sinnstiftung und Storytelling bis zur kreativen Unruhe. Und das, was man gar nicht so gern hört, weil keine Führungskraft es bis dato beherrscht oder will, ist Kommunikation mit Maschinen.

Weniger Führungskräfte führen zu flachen Hierarchien. Was bedeutet das?
In flachen Hierarchien organisieren die Mitarbeiter sich weitenteils selber. Die Führungsfunktionen sind also an die Mitarbeiter übertragen. Damit hat sich die Führungskraft noch nicht wirklich überlebt, es hat sich nur ihre Rolle verändert. Statt „Command and Control“ ist deren Aufgabe dann Beratung, Support und Enabling.

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Das Wissensnetzwerk für Digital Transformation Executives. Club für die, die in ihrem Unternehmen die digitale Transformation vorantreiben.

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